Tag 1: 25.08.2010 (Amsterdam -> Utrecht/Bunnik)

Mit ein wenig Verspätung kamen wir morgens gegen 9:30 Uhr in Amsterdam an. Fahrräder ausladen ging eigentlich ganz schnell und am Bahnsteig gab es sogar einen Lift zum Ausgang. Aufgefallen ist uns im Bahnhof vor allem, dass die Reinigungskräfte alle Westchen tragen, auf denen CSU steht – sehr nett… Das Bahnhofsgebäude verließen wir zügig und machten uns in der Stadt auf die Suche nach einem Frühstück.

Am Nieuwmarkt wurden wir fündig und kauften in einer kleinen Bäckerei unter Zuhilfenahme sämtlicher Hände und Füße ein bisschen Gebäck, das wir sogleich verzehrten. Danach warteten Max und ich auf einer Bank, während Friederike und Wolfgang sich noch einen kleinen Kaffee genehmigten.

Anschließend machten wir uns auf den Weg Richtung Utrecht. An der “Walter Suskindbrug” konnten wir aus nächster Nähe beobachten, wie eine Zugbrücke geöffnet und wieder geschlossen wurde, sehr interessant für uns Landratten. Etwas unagenehm finde ich die nahezu flächendeckende Videoüberwachung in den Städten hier. Daheim kommt mir das weniger vor, vielleicht ist es aber auch nur nicht so deutlich ausgeschildert.

Sehr angenehm dagegen ist die radlerfreundliche Straßenplanung. Häufig sind Fahrrad- und Autospuren gleich breit, in den meisten Einbahnstraßen ist das Radln in beide Richtungen erlaubt und die Autofahrer fahren sehr rücksichtsvoll – gar nicht dem üblichen Vorurteil über niederländische Autofahrer entsprechend.

Wir verließen Amsterdam am südöstlichen Ende bei Duivendrecht, fuhren weiter, an Abcoude vorbei. Eine ganze Weile fuhren wir parallel zu einer erstaunlich leisen Autobahn (A2/E35) auf einem schön ruhigen Sträßchen. Es erhob sich linker Hand – zwischen uns und der Straße ein Lärmschutzwall, der uns die Autobahn komplett vergessen ließ. Rechter Hand lag ein See (Vinkeveense Plassen), den wir dann auf einer Art Damm querten. Links und rechts auf dem Damm je eine Reihe Häuser, die quasi mitten in den See gebaut waren. Wir sind noch am Rätseln, ob es hier häufig Überschwemmungen gibt oder ob sich das Wasser auf dem See so gut verteilt, dass es nicht nennenswert steigt.

Bei Breukelen machten wir am Kanaaldijk West eine kleine Mittagspause und aßen von daheim mitgebrachte hartgekochte Eier, Semmeln und Brot. Dabei konnten wir viele verschiedene Schiffe beobachten, die auf dem Kanal entlangfuhren. Tanker, Lastenkähne aber auch mittelgroße und kleine Ausflugsboote.

An dieser Stelle spielte uns das GPS-Gerät, das uns bis dahin ganz gut gelotst hatte den ersten Streich an diesem Tag, der nicht der letzte gewesen sein sollte. Über eine scheinbar stillgelegte Straße gelangten wir auf eine Kreuzung zweier Landstraßen, die beide nicht für die Benutzung durch Fahrradfahrer vorgesehen waren, wie uns ein freundlicher Autofahrer gleich erklärte, als er mitten auf der Kreuzung anhielt, um uns ungefragt zu helfen. Über eine kleine Abkürzung quer durch eine Wiese kamen wir dann aber doch noch auf den ursprünglich vorgesehenen Pfad und waren auch bald auf dem Weg nach Utrecht.

Wir fuhren weiter, hinein nach Utrecht. Dort war dann auch wieder ähnlich viel los wie in Amsterdam, und auch die Radwege waren wieder genauso großzügig gebaut. Die Jugendherberge, die wir bereits gebucht hatten, lag etwas außerhalb in Bunnik, also querten wir Utrecht und fuhren noch ein bisschen über Land bis wir endlich ankamen. Fast hätte das GPS-Gerät es geschafft, uns im Wald zu verwirren, aber mehr als 2 mal ließen wir uns nicht im Kreis führen.

Friederike fragte an der Rezeption, wann wir unser Zimmer beziehen konnten und erfuhr, dass das schon in einer Dreiviertelstunde so weit sein sollte. Also setzten wir uns noch in die zum Hostel gehörende Bar, tranken je nach gusto Kakao, Kaffee oder Bier und hatten die Zeit bis zur Zimmerübergabe auf schöne Art und Weise herumgebracht.

Den Zahlencode für Haustüre und Zimmer hatten wir schon vorher bekommen und hatten auch keine Probleme, in unser Zimmer zu kommen. Ganz im Gegensatz zu einem lustigen Vater-Sohn-Gespann. Die waren uns in der Bar schon aufgefallen, weil der Sohn permanent angepisst guckte während die beiden sich anschwiegen. Eben jenes Pärchen stand an unserem Nachbarzimmer ratlos da und versuchte immer wieder, “Egg” einzugeben. Seine erste Idee, als er merkte, dass sich die Tür dadurch nicht öffnen ließ war, uns zu fragen, was wir zu dem von der Rezeptionistin notierten Code meinten. Schließlich kamen wir zu dem Schluss, dass die gs wohl 9er seien und prompt öffnete sich die Tür. “You’re a genius!” lobte er Wolfgang, der den entscheidenden Hinweis gegeben hatte. Sein Glück, dass wirauch noch ehrlich sind, schließlich hatten wir jetzt theoretisch freien Zugang zu seinem Zimmer.

Wir richteten uns kurz ein, bezogen unsere Betten und machten uns ein wenig frisch. Dann radelten wir los in die Stadt, um zu Abend zu essen. Irgendwo fuhr wohl auch ein Bus von Bunnik nach Utrecht, aber sowohl der Ort als auch die Zeit für dessen Abfahrt und Ankunft waren unklar und so entschieden wir uns, die paar Kilometer mit dem Rad zu fahren, auch wenn wir Zweifel hatten, ob wir unsere Fahrräder in einer Stadt mit unseren Schlössern ausreichend sichern könnten, während wir im Restaurant saßen. Diese Bedenken wurden bald hinfällig, denn nach einer Runde durch die Stadt hatten wir nichts weiter gefunden als 3 kleine FastFood-Läden. Wir entschieden uns für “Wok to go”, einen asiatischen Schnellimbiss, von dem uns Pia, die auf Kursfahrt in Amsterdam gewesen war, schon erzählt hatte. Ein wenig chaotisch lief das Bestellen der Gerichte, aber das Ergebnis war doch irgendwie zufriedenstellend, wenn auch hinterher etwas schwer im Magen liegend.

Wir fuhren noch eine kleine Runde durch Utrecht, Max’ Speicherkarte von der Kamera war voll und wir hofften, einen entsprechenden Laden ausfindig zu machen. In einem Einkaufszentrum von ganz beachtlicher Größe – wie man erst nach dem hineingehen feststellte – wurden wir fündig. In einem Media Markt gab es eine ganze Wand voll mit unterschiedlichen Speicherkarten. Eine mit 4 GB Speicherplatz suchten wir aus und staunten, dass diese Dinger inzwischen nur noch ~15€ kosten.

Anschließend entschieden wir uns, die Heimfahrt noch bei Tageslicht anzutreten, da wir uns dann leichter zurechtfinden würden, was in der Tat keine allzuschlechte Idee war. Während leichter Regen einsetzte, kamen wir an der Jugendherberge an. Um den Abend ausklingen zu lassen, setzten wir uns am Hostel nochmal in die Bar, bestellten kalte Getränke, die leider nur in relativ kleinen Gläsern serviert wurden und fingen an, diverse Reisetagebücher in unsere Handys zu tippen. Modern times… Friederike las den Reiseführer und stellte sich gedanklich schon auf Rotterdam ein, den nächsten Stop unserer Tour. Als ich an der Theke nach einem großen Wasser fragen ging, bekam ich kostenlos ein Glas Leitungswasser, was das Thema Durst dann auch schnell erledigte. Gegen 22:30 brachen wir dort schließlich auf in Richtung Zimmer – weit hatten wir nicht – und legten uns bald schlafen.

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