Tag 2: 26.08.2010 (Bunnik -> Rotterdam)

Schon über Nacht zeichnete sich ab, dass der nächste Tag nicht gerade trocken werden würde, jedes Mal, wenn ich aufwachte, hörte ich draußen den Regen plätschern. Unter dem Schutz unserer Schirme gingen wir nach dem Aufstehen ins etwas entfernt gelegene Hauptgebäude um zu Frühstücken.

Das Essen war ganz in Ordnung, es gab das Brot, von dem Pia uns schon nach ihrer Amsterdamfahrt erzählt hatte. Sehr große, dicke Scheiben, die so weich waren, dass man sie auf ein Achtel ihrer Größe zusammendrücken konnte. Und ein bisschen wie ungetoastetes Toastbrot zu essen fühlte es sich an. Wir waren etwas spät dran fürs Frühstück und es gab nur noch Reste des Buffets, aber immerhin noch eine ordentliche Auswahl: Käse, Wurst, Joghurt, ein paar Müslizutaten, Äpfel und sehr reife Bananen. Dazu gab es Tee oder Kaffee. Für eine Jugendherberge aber doch irgendwie ein ganz ordentliches Frühstück.

Die Fahrräder, die wir über Nacht in einen Schuppen am Hauptgebäude gesperrt hatten, holten wir gleich nach dem Essen, damit wir sie vor unserem Zimmer bepacken konnten. Inzwischen regnete es in Strömen und wir warteten nach dem Zusammenpacken noch ein paar Minuten bis der Regen nachließ. Wasserdicht bekleidet fuhren wir schließlich los. Die meiste Zeit über auf dem Lekdijk-Oost, auf dem Deich entlang des Lek. Das war zwar windig, aber doch irgendwie schön, weil man viele Schiffe sehen konnte und auch sonst einen guten Überblick hatte. Auch sehr nett anzusehen sind die Häuser hier. Fast alle haben große Fenster und die meisten keine Vorhänge. Man kann in die Wohnungen gucken wie in Puppenhäuser. Außerdem geben sich die Leute hier viel Mühe mit der Gestaltung ihrer Fensterbänke. Überall stehen Pflanzen und Statuen in den Fenstern und am besten daran ist, dass es von allem immer 2 gibt. Schön symmetrisch aufgereiht – 2 gleiche Pflanzen, nahezu gleich groß, 2 gleiche Statuen, 2 gleiche Laternen, 2 gleiche Gewürzmühlen… Fast egal was, hauptsache doppelt. Vielleicht gibt es da einen Aberglauben oder eine Geschichte dazu. Ich werde die Ohren offen halten und hoffentlich in einem späteren Eintrag berichten.

In Schoonhoven machten wir Mittagspause. Nachdem wir einmal durch die Haupt-Ladenstraße gefahren waren und vergeblich nach einem Supermarkt Ausschau gehalten hatten, nahm sich eine ältere Dame unser an und fragte, wo wir denn hinmüssten. Sie konnte uns dann den Weg zu einem nahe gelegenen Supermarkt beschreiben. Das war überhaupt der erste Solche, den wir hier in den Niederlanden gesehen haben, die verbergen sich hier wohl alle in Nebenstraßen, die wir nicht entlanggefahren sind. Mit einem Wahnsinnshunger kauften Friederike, Max und ich ein, während Wolfgang draußen die Räder bewachte. Wir besorgten vor allem allerhand Süßigkeiten, ein paar Highlights waren echte Englese Drops, Spekulatiuscreme als Brotaufstrich und Zimtkekse. ;-)

Draußen war auf einem größeren Platz Sand aufgeschüttet, 3 Beachvolleyballfelder aufgebaut und Zelte und Pavillions aufgestellt. Dort spielten ca. 50 Kinder – wohl aus der Nachbarschaft – im aufgeweichten Sand und wurden von 10 Betreuern bespaßt. Später sollte noch Volleyball gespielt werden, wie wir zufällig erfuhren. Unter einem Pavillion stand – geschützt vorm Regen eine Biertischgarnitur, die wir als Picknickplatz für geeignet hielten und wir ließen uns dort nieder.

Nachdem wir uns ordentlich gestärkt hatten, brachen wir wieder auf – schließlich hatten wir noch die zweite Hälfte unseres Weges vor uns. Der Weg auf dem Deich entlang wurde sehr matschig. Es wurden auf sicherlich 10 km gleichzeitig Ausbesserungsarbeiten durchgeführt. Überall standen diverse Bagger und andere Maschinchen und die Straße war über die gesamte Länge von einer Schlammschicht bedeckt, die unsere Fahrräder und auch Schuhe einheitlich grau-braun färbte. Schließlich hörte es aber sogar auf zu regnen und wir erreichten Rotterdam. Das Navi lotste uns zielsicher direkt auf die sogenannten Kubushäuser zu, in denen sich unsere Jugendherberge befand. Nicht ganz so leicht zu finden war der Eingang. Die Kubushäuser sind von beiden Seiten einer breiten Straße zugänglich und da wir nicht wussten, wo genau sich der Eingang zur Jugendherberge befand, schlichen wir eine ganze Weile um das Gebäude herum, mal auf der einen Straßenseite, mal auf der anderen, bis Friederike nach einer Viertelstunde endlich fündig wurde. Der Eingang zum “stayokay”-Hostel befand sich auf der mittleren Ebene des Kubushaus-Komplexes und man musste erst über eine Rampe – die zu allem Übel auch noch verdeckt lag dort hinauf fahren. Aber alles nicht so wild, wir waren ja da. Und hatten es zu einer annehmbaren Zeit geschafft, es war 19:00 Uhr. Auch hier konnten wir unsere Räder in einem regendichten Raum einsperren. Wir brachten nur kurz unsere Sachen aufs Zimmer und gingen los, um etwas zum Abendessen zu suchen.

Wir sahen uns in der Gegend um die Jugendherberge um, fanden aber nichts auf den ersten Blick ansprechendes. Friederike las im Reiseführer etwas über ein Restaurant “Bazar” in der etwas entfernter gelegenen “Witte De Withstraat” – es sei dort ganz nett und auch nicht so teuer. Dort angekommen sahen wir, dass wir wohl nicht die einzigen waren, die diese Empfehlung gelesen hatten, es war um 9:00 Uhr abends brechend voll. Wir gaben sofort auf und gingen die Straße weiter entlang. An deren Ende fanden wir das Restaurant “Zatkini”, das auch ganz nett aussah. Meine Pasta Quattro Formaggi waren ziemlich salzig aber trotzdem in Ordnung. Die übrigen Essen waren auch zufriedenstellend.

Eine lustige Szene konnten wir noch beobachten, draußen saßen 2 Herren gemütlich bei Wein und Bier und vor dem Lokal auf der Straße stand schon die ganze Zeit ein Auto mit Warnblinkanlage. Irgendwann kam die Polizei vorbeigefahren und der eine der Beiden sprang plötzlich auf, um in das Auto, das wohl seines war einzusteigen. Offenbar konnte er der Politia glaubhaft versichern er sei gerade erst dort stehengeblieben, die ließen ihn jedenfalls fahren. Während der eine noch mit der Polizei verhandelt hatte, war auch der andere ins Auto gestiegen und ließ am Tisch sein zu 2/3 volles Weißbier und den Wein des anderen zurück. Ob die feinen Herren ihre Zeche gezahlt hatten oder nicht bleibt unklar, sie kamen jedenfalls nicht wieder. Wir waren müde, bezahlten bald und gingen in die Jugendherberge zurück.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Reisen abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>